Die polnische Regierung setzt sich weiterhin für finanzielle Entschädigungen der noch lebenden Opfer der nationalsozialistischen Besatzung ein. Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung schlägt Warschau vor, dass Deutschland jedem noch lebenden polnischen NS-Opfer jährlich 10.000 Złoty (rund 2.333 Euro) zahlt.
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hatte bereits Mitte Juni seine grundsätzliche Unterstützung für eine Entschädigung polnischer NS-Opfer signalisiert. Offen bleibt jedoch, aus welchem Haushalt die Zahlungen finanziert werden sollen.
Die frühere polnische Regierung unter der Partei PiS hatte Deutschland Reparationsforderungen in Höhe von 6,22 Billionen Złoty (etwa 1,3 Billionen Euro) für die Schäden des Zweiten Weltkriegs gestellt. Die Bundesregierung wies diese Forderung mit Verweis auf fehlende rechtliche Grundlagen sowie mögliche Folgeforderungen anderer Staaten zurück.
Die Regierung von Ministerpräsident Donald Tusk verfolgt inzwischen einen moderateren Kurs. Statt umfassender Reparationszahlungen konzentriert sie sich auf direkte Hilfen für die noch lebenden Opfer.
Nach Schätzungen leben derzeit noch rund 50.000 polnische NS-Opfer. Bei einer jährlichen Zahlung von 10.000 Złoty würden im ersten Jahr Kosten von etwa 100 Millionen Euro entstehen. Insgesamt rechnet die Süddeutsche Zeitung mit einer finanziellen Belastung von rund 300 Millionen Euro, da die Zahl der Anspruchsberechtigten altersbedingt kontinuierlich sinkt.
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Quelle: Süddeutsche Zeitung (SZ), AFP, DER SPIEGEL (29. Juni 2025)