Straße von Hormus: Einigung zwischen Iran und Oman rückt näher – doch der Konflikt mit den USA bleibt ungelöst

Rund fünf Monate nach Beginn des Kriegs zwischen den USA, Israel und Iran zeichnet sich in einem zentralen Streitpunkt eine mögliche Teil-Entspannung ab: Iran und Oman stehen nach eigenen Angaben kurz vor einer Einigung über eine neue, gemeinsam abgestimmte Schifffahrtsroute durch die Straße von Hormus. Eine automatische Wiedereröffnung der für den globalen Energiehandel entscheidenden Meerenge ist damit jedoch ausdrücklich nicht verbunden.

Worüber Iran und Oman verhandeln

Irans Vize-Außenminister Kazem Gharibabadi bestätigte, dass sich beide Länder auf die geografischen Koordinaten einer vorgeschlagenen sicheren Schifffahrtsroute geeinigt hätten. Die seit mehr als drei Wochen laufenden Gespräche hätten eine breite Übereinstimmung zu den vorgeschlagenen Ein- und Ausfahrtrouten hervorgebracht; verhandelt werde zudem über technische Regelungen, Sicherheits- und Souveränitätsfragen beider Staaten sowie ein gemeinsames Koordinationszentrum zur Überwachung des Schiffsverkehrs. Vorgesehen ist, dass die bisherigen provisorischen Routen nahe der iranischen Insel Larak sowie durch omanische Hoheitsgewässer geschlossen und durch eine neue, gemeinsam verwaltete “Mittelkorridor”-Route ersetzt werden, die perspektivisch die bisherigen nördlichen und südlichen Fahrrinnen ablösen soll.

Irans Außenminister Abbas Araghtschi stellte jedoch klar, dass die Festlegung einer vorläufigen Route nicht automatisch die Wiedereröffnung der Straße von Hormus für alle Staaten bedeute. Die gegenwärtige Lage sei das Ergebnis einer Verletzung der bestehenden Verständigung durch die Vereinigten Staaten, so Araghtschi; diese müssten ihre Verstöße vollständig korrigieren, bevor an eine umfassendere Lösung zu denken sei. Ähnlich äußerte sich der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmail Baghaei: Die Verhandlungen mit Oman seien “vorwärtsgewandt”, ein Abschluss aber nur möglich, “wenn bestimmte dritte Parteien diesen Prozess nicht behindern”.

Kontext: Fünf Monate Blockade einer Lebensader des Welthandels

Die Straße von Hormus, durch die in Friedenszeiten rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggaslieferungen verläuft, ist seit dem 28. Februar 2026 weitgehend blockiert. Auslöser war ein Luftkrieg der USA und Israels gegen Iran, in dessen Verlauf auch der geistliche Führer Ali Chamenei getötet wurde. Iran reagierte mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel, US-Stützpunkte in der Region sowie mit einer Wasserstraßen-Blockade, in deren Folge nach Angaben internationaler Beobachter mehrere Handelsschiffe beschädigt oder gekapert wurden. Der Schiffsverkehr durch die Meerenge war zeitweise auf einen Bruchteil des üblichen Niveaus eingebrochen. Erst kürzlich meldeten die Vereinigten Arabischen Emirate einen erneuten iranischen Beschuss eines Schiffes in dem Gebiet – ein Hinweis darauf, wie fragil die Lage weiterhin ist.

Zwischenzeitliche Waffenruhen und Abkommen – etwa eine im April vereinbarte zweiwöchige Feuerpause – hatten die Lage bereits mehrfach kurzzeitig entspannt, ohne den Konflikt grundsätzlich zu lösen. Nach Einschätzung von Beobachtern baut das aktuelle Verhandlungsergebnis mit Oman im Kern auf einer bereits im Juni zwischen Iran und den USA unterzeichneten Absichtserklärung auf, ohne diese vollständig zu ersetzen.

Reaktionen aus Washington

US-Präsident Donald Trump äußerte sich zuletzt betont gelassen zu den iranischen Zusatzforderungen und verglich die Verhandlungen mit einer “Schachpartie”, die sich am Ende “immer irgendwie regele”. Ein hochrangiger US-Vertreter erklärte demgegenüber, Washington erwarte in Kürze eine Einigung zwischen Iran und Oman, damit sich der normale Öltransport wieder aufnehmen lasse. Zugleich wird in US-Kreisen über die langfristige strategische Bedeutung der Meerenge diskutiert: Ein hochrangiger US-Finanzvertreter äußerte die Einschätzung, dass die Straße von Hormus durch den verstärkten Ausbau unterirdischer Pipelines mittelfristig einen Großteil ihrer heutigen Bedeutung für den Energietransport verlieren könnte.

Wirtschaftliche Folgen für Deutschland und Europa

Auch wenn Deutschland vergleichsweise wenig Öl direkt aus der Golfregion bezieht, wirkt sich die monatelange Störung der Straße von Hormus über den Weltmarktpreis auch hierzulande spürbar aus – etwa weil asiatische Hauptabnehmer von Golf-Öl nach der Blockade verstärkt auf dem Weltmarkt nach Ersatzquellen suchen und so die Preise insgesamt anheben. Nach Modellrechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) könnte ein anhaltend hoher Ölpreis von 100 US-Dollar je Barrel die deutsche Wirtschaftsleistung 2026 um 0,3 Prozent und 2027 um 0,6 Prozent schmälern – ein Verlust von umgerechnet rund 40 Milliarden Euro über zwei Jahre. Bei einem Preis von 150 US-Dollar je Barrel könnten die Verbraucherpreise 2026 um 1,6 Prozent und 2027 um 1,9 Prozent steigen, während die Wirtschaftsleistung 2027 um bis zu 1,3 Prozent unter dem Basisszenario läge.

Die Annäherung zwischen Teheran und Maskat markiert einen technischen Fortschritt in einem der komplexesten Konfliktknoten des Jahres 2026 – doch sie löst nicht die zugrunde liegende politische Konfrontation zwischen Iran und den USA. Solange Teheran eine vollständige Wiedereröffnung der Straße von Hormus an die Aufhebung von Sanktionen und weitere amerikanische Zugeständnisse knüpft, dürfte die Unsicherheit für den globalen Energiehandel – und damit auch für energieabhängige Volkswirtschaften wie Deutschland – bestehen bleiben.

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Quellen:

-CNN, “An agreement on the Strait of Hormuz is taking shape – but not one Trump wants” (05.08.2026)
-Reuters, “Iran Says Deal on Strait of Hormuz Is Close but Not Enough to Open the Waterway” (08.08.2026)
-Bloomberg, “Iran, Oman Reach Agreement on Proposed Strait of Hormuz Shipping Route” (05.08.2026)
-Al Jazeera, “Iran, Oman, US ‘close’ to Hormuz deal: What do they all want?” (05.–06.08.2026)

-Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln), Modellrechnungen zu Ölpreisszenarien (Statista-Infografiken, März 2026)
-aktiv-online.de, “Ölpreis & Co.: So beeinflusst der Irankrieg die deutsche Wirtschaft”

Hinweis: Einzelne prorussische/regierungsnahe Telegram- und Onlinequellen (u.a. „Pravda”-Portale) berichteten in den vergangenen Tagen zusätzlich über angebliche Details wie iranische Kriegsentschädigungsforderungen oder einen konkreten Beschuss eines Schiffes vor Oman. Diese Angaben sind bislang nicht unabhängig verifiziert und wurden hier bewusst nicht als gesicherte Fakten übernommen.

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