Der Widerstand gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino wächst: Nachdem alle 55 europäischen Nationalverbände einen Boykott sämtlicher FIFA-Wettbewerbe angekündigt haben, hat sich nun auch der nord- und mittelamerikanische Kontinentalverband CONCACAF gegen die geplanten Investorenpläne gestellt. Die FIFA hält trotz der breiten Front an ihrem Vorhaben fest.
Die Vorgeschichte
Auslöser des Streits ist ein Vorschlag der FIFA, Anteile an der Fußball-Weltmeisterschaft an private Investoren zu verkaufen und damit nach eigenen Angaben eine Milliardensumme einzuspielen. Nach Medienberichten hatte der Weltverband den 211 Mitgliedsverbänden dafür eine knapp bemessene Frist gesetzt – Stichtag für die Zustimmung soll der 19. September sein – und im Gegenzug eine Sonderzahlung in Aussicht gestellt.
UEFA beschließt Boykott
Bei einer kurzfristig einberufenen digitalen Dringlichkeitssitzung am Donnerstag, den 30. Juli, lehnten alle 55 europäischen Mitgliedsverbände den Vorschlag geschlossen ab. In einem offiziellen Statement erklärte die UEFA, die Weltmeisterschaft sei über Generationen von Spielern, Nationalmannschaften und Fans aufgebaut worden und dürfe nicht als Anlageprodukt behandelt werden: Die WM stehe nicht zum Verkauf. Für den Fall, dass Infantino den Investoren-Deal dennoch durchsetzt, kündigten die Verbände einen Boykott aller FIFA-Turniere an.
Bemerkenswert: Der geschlossene Beschluss kam zustande, obwohl sich der tschechische Verband tags zuvor noch offen für die FIFA-Pläne gezeigt hatte.
CONCACAF und AFC schließen sich an
Nur wenige Stunden später zog CONCACAF nach. Der Verband, dem mit den USA, Kanada und Mexiko auch die drei Gastgeberländer der WM 2026 angehören, kritisierte in einer Mitteilung nach einer gemeinsamen Sitzung seiner 41 Mitgliedsverbände die mangelnde Einhaltung ordnungsgemäßer Verfahren, die künstlich kurz angesetzte Frist sowie das Fehlen einer Prüfung durch die zuständigen FIFA-Gremien – „und das ausgerechnet im Anschluss an die finanziell erfolgreichste FIFA-Weltmeisterschaft der Geschichte“.
Am Freitag erklärte zudem der asiatische Kontinentalverband AFC seine Solidarität mit UEFA und CONCACAF. Damit haben inzwischen 136 der 211 FIFA-Mitgliedsverbände über ihre Kontinentalverbände ihre Ablehnung ausgedrückt – rein rechnerisch verfügt Infantinos Plan damit über keine einfache Mehrheit mehr.
FIFA hält an Plänen fest
Trotz der massiven Kritik lässt sich die FIFA bislang nicht von ihrem Kurs abbringen. In einer Stellungnahme vom Freitag erklärte der Weltverband, der geplante Konsultationsprozess sei „durch falsche Medienberichte gestört“ worden. Präsident Gianni Infantino verteidigte seine kommerziellen Pläne mit dem Hinweis, es handle sich um „einen Vorschlag, keine Verpflichtung“.
Internationale Medien sprechen inzwischen von einem „offenen Krieg“ zwischen den Verbänden und dem Weltverband; vereinzelt wird sogar von Rücktrittsforderungen gegen Infantino berichtet.
Reaktionen aus den Mitgliedsverbänden
Der Vorsitzende des Aufsichtsrats des österreichischen Fußball-Bunds (ÖFB), Josef Pröll, stellte sich hinter die Entscheidung der UEFA: Der ÖFB sei aktiver Teil der Beratungen gewesen, das geschlossene Vorgehen der Verbände sende „ein starkes Signal der Verantwortung und des Zusammenhalts“. Im Mittelpunkt müsse immer der Fußball stehen.
Wie geht es weiter?
Der Stichtag für die Zustimmung der Mitgliedsverbände zum Investorendeal ist weiterhin der 19. September. Angesichts der geschlossenen Ablehnung durch UEFA, CONCACAF und der Unterstützung der AFC gilt eine Mehrheit für Infantinos Plan derzeit als kaum noch erreichbar. Ob die FIFA ihre Pläne modifiziert, ganz zurückzieht oder auf Konfrontationskurs bleibt, ist bislang offen.
………………….
Quellen
Sportschau.de (ARD): „Investoren-Pläne: UEFA droht mit Boykott aller FIFA-Turniere“, 30.07.2026
Sportschau.de (ARD): „Investorenplan der FIFA: UEFA hält Krisensitzung ab“
ZDFheute: „Medien: UEFA diskutiert möglichen WM-Boykott“
sport.ORF.at: „Fußball: UEFA-Verbände einigen sich auf WM-Boykott“
20min.ch: „WM-Rechte verkaufen? Fifa verteidigt umstrittenes Investorenmodell“, 31.07.2026
