Die Europäische Kommission wirft Meta nach zweijährigen Ermittlungen vor, dass Instagram und Facebook nach vorläufigen Untersuchungsergebnissen zu große Suchtgefahren für Kinder und Jugendliche bergen. Als Ursache sieht Brüssel vor allem stark personalisierte Empfehlungssysteme sowie das automatische Abspielen immer neuer Videos.
Was die Ermittler konkret bemängeln
Laut den Prüfern hat Meta Daten darüber ignoriert, wie viel Zeit Jugendliche nachts auf Instagram und Facebook verbringen. Auch die Ausrichtung von Formaten wie Reels und Stories auf maximale Nutzung könne zu übermäßigem oder zwanghaftem Konsum führen.
Die vorhandenen Schutzfunktionen von Meta reichen aus Sicht der Kommission nicht aus – die Zeitmanagement-Werkzeuge, selbst jene, die standardmäßig für Jugendliche aktiviert sind, ließen sich leicht umgehen und würden die Nutzungsdauer nicht spürbar senken.
Mögliche Konsequenzen
Meta darf nun Einsicht in die Ermittlungsakten nehmen und schriftlich Stellung beziehen, bevor Brüssel einen förmlichen Verstoß feststellt. Bestätigen sich die Vorwürfe am Ende, könnte laut Bericht eine Strafe von bis zu sechs Prozent des Jahresumsatzes drohen – bei Meta würde das rechnerisch mehr als 12 Milliarden Euro bedeuten. Auch gegen TikTok läuft wegen ähnlicher Suchtrisiken bereits seit Februar ein vergleichbares Verfahren.
Vorgeschlagene Änderungen
Die Kommission fordert unter anderem eine standardmäßige Deaktivierung des endlosen Scrollens und des automatischen Video-Abspielens, wirksame Bildschirmpausen sowie eine Anpassung der Empfehlungsalgorithmen, damit sie weniger auf reine Nutzerinteraktion ausgerichtet sind.
Politischer Kontext
Die Untersuchung fällt in eine Zeit, in der mehrere EU-Staaten – darunter Frankreich, Spanien, Griechenland und Österreich – ein gesetzliches Social-Media-Verbot für Minderjährige anstreben.
Auch Bundesfamilienministerin Karin Prien plant ein solches Verbot für Deutschland, was jedoch ohne Rückendeckung aus Brüssel schwerer durchsetzbar sein dürfte.
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Quelle: Euronews, dpa (Rhein-Zeitung), 10. Juli 2026
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